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[Federation]Lord Avedis
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Beitrag Titel: [Story]Xerxis
Verfasst am: 07.06.05 10:24
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Hi,
in letzter Zeit hatte ich mich an einem Fantasy Roman versucht. Ich würde gerne mal eure Meinung dazu hören, auch wenn das hier sicherlich kein RPG Beitrag ist
Die ersten beiden kapitel sind schon abgtippt, das dritte existiert schon auf dem Papier.
Deine Meinung Bonfire interessiert mich besonders, da ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass du ebenfalls an etwas derartigem schreibst.

Edit:
Das vierte Kapitel ist in Arbeit. Außerdem wurde das Titelbild aktulisiert.

Xerxis - Eine Geschichte aus der Geschichte eines Reiches
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Keuchend stemmte sich Xerxis die letzten Meter den Berg hoch. Auf der Kuppe angekommen stockte ihm der Atem, was freilich nicht nur auf die hinter ihm liegende Kletterpartie zurückzuführen war. Hinter dem Berg ging es steil nach unten. Am Fuße des Berges lag eine Stadt: Das Ziel seiner Reise. Alegria! Die große Hauptstadt des Kaiserreich Alegria.
Neben Xerxis tauchte eine Gestalt auf. „Was gibt’s denn da? Sind wir endlich da?“, äußerte sie. Diese Gestalt war der Reisegefährte Xerxis’. Vicomte deVetry war eine hochgewachsene Erscheinung, hatte blonde Haare, hellgrüne Augen und sah immer - egal wo und wann er sich befand - aus, als wäre er ein Höfling, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, neue Moden einzuführen. Dieser Eindruck täuschte. Auf der Reise, hatte Vicomte mehr als einmal seine Fähigkeit, sich seiner Haut zu erwehren, unter Beweis gestellt.

Jetzt berührte er Xerxis an der Schulter, damit sie sich an den letzten Teil ihrer Reise machen konnten. Die Stimmung war so gut, wie selten zuvor. Lachend, und scherzend kletterten sie den steilen Pfad herab. „Was willst du in Alegria eigentlich machen?“, fragte Xerxis gut gelaunt. „André Graf diAuriac sucht soweit ich weis noch Krieger. Und du?“ „Ich weis es noch nicht. Mal sehen.“, gestand Xerxis.
Den Rest des Weges legten sie schweigend zurück, jeder mit seinen eigenen Gedanken und Vorstellungen beschäftigt.

Gute zwei Stunden später erreichten sie endlich die Stadtmauer, die sich fast 30 Meter in den Himmel bohrte. Am Tor angekommen kam auf einmal die Sonne hervor. Der weiße Marmor der Stadtmauer blendete beinahe. Vor den beiden Gefährten tauchte das erste Tor auf. Steil und bedrohlich hob es sich vom Himmel ab. Auf den Plattformen patrouillierten Soldaten.
Xerxis dachte nur, wer diese Stadt angreift ist ein Wahnsinniger.
Auch vor dem Tor stand ein Kontingent Wachen. Als Xerxis und Vicomte auf das Tor zutraten, musterte sie der Diensthabende Unteroffizier misstrauisch.
„Wer seid ihr?“
„Ich bin Vicomte deVetry aus Theben. Ich bin hier, weil ich mich den Soldaten Graf diAuriacs anschließen will.“
„Xerxis, meinen Nachnamen habe ich nie erfahren.“

Der Soldat beäugte Xerxis genau. Es fühlt sich an, als werden man durchleuchtet, dachte Xerxis.
Was der Krieger sah, gefiel ihm ganz und gar nicht. Auf den ersten Blick wirkte der Junge zwar eher ungefährlich, mit seiner mittleren Größe, dem schwarzen Haar und den markanten Gesichtszügen. Aber als er in die stahlgrauen Augen blickte, war er sicher: Dieser Xerxis war nicht ungefährlich. Leider konnte er ihm nichts vorwerfen und musste ihn passieren lassen.
Xerxis und Vicomte traten durch das Tor. Beim zweiten Tor wiederholte sich die Prozedur und schließlich durften sie die Stadt betreten.

Xerxis wünschte sie mindestens vier Paar Augen mehr, Nachdem er sich von Vicomte verabschiedet hatte, der darauf brannte sofort beim Grafen diAuriac vorstellig zu werden, schlenderte er ziellos durch die Stadt. Während er sich durch die volle Metropole schlängelte, wurde er immer nachdenklicher. Xerxis wusste nicht, was er hier eigentlich wollte. Gerade, als er beim kaiserlichen Paradeplatz vorbei kam, war Wachablösung. Xerxis reckte neugierig den Hals, um alles genau zu sehen. Eventuell wäre es besser gewesen, wenn er nach vorne geblickt hätte. Es kam wie es kommen musste. Er rannte prompt in einen anderen Fußgänger hinein. Eine Entschuldigung murmelnd, rappelte Xerxis sich so schnell wie möglich wieder hoch. Erst jetzt erkannte er, wen er da über den Haufen gerannt hatte. Es war ein Soldat der kaiserlichen Armee. Seine goldenen Rangabzeichen funkelten in der hellen Sonne. Er blickte recht ungehalten auf Xerxis herab.
„Name, Rang, Einheit?“, wollte der deutlich missgelaunte Offizier in herrischem Tonfall wissen.
Xerxis war etwas perplex. „Ähm... wie bitte“
„Ah du bist nicht beim Heer.“
„Nein ich bin neu hier“
„Schon eine Arbeit?“
„Noch nicht. Ich hatte noch nicht genug Zeit mich umzusehen.“
„Wenn du eine gute suchst, tritt dem Heer bei. Melde dich in der Drossberg Kaserne und frag nach Leutnant Pierró“


Damit ließ er den verwirrten Xerxis stehen. Auf dem Weg zu einem Gasthaus dachte Xerxis über das Gehörte nach. Es stimmte zum Teil. Er brauchte eine Anstellung. Sein Geld würde höchstens ein paar Tage reichen, vermutlich nicht einmal das.
Xerxis trat in den hell erleuchteten Schankraum des „Zur Krone“ ein und fragte die Wirtin ob sie ein Zimmer frei habe.
„Natürlich.“ Sie musterte ihn von oben bis unten. „Neu hier?“
„Ja, Herrin. Gerade heute angekommen.“
„Na dann setz dich und iss erstmal etwas. Du siehst völlig abgemagert aus.“
„Danke Herrin, aber ich habe gerade genug Gel für das Zimmer. Für Essen reicht es beileibe leider nicht.“
„Ach was! Setz dich! Auch nach den jüngsten Steuererhöhungen sind wir noch nicht so arm, dass wir einen ausgehungerten jungen Mann nicht beköstigen könnten.“ Mit diesen Worten schob sie ihn an einen freien Tisch und kurze Zeit später standen dampfende Teller und Schüsseln vor ihm, die nur darauf warteten, leer gegessen zu werden. Xerxis genoss das Essen. Schon seit Wochen hatte er nichts mehr so gutes in den Bauch bekommen."
„Vielen Dank. Ich weis gar nicht, wie ich zu dieser Ehre komme. Ihr seid sehr großzügig, Herrin.“

„Ach was!“, wiederholte sie. „Und nenn mich nicht immer Herrin. Nenn mich Wahbet, das tun alle hier. Aber was halte ich dich mit dem Geschwafel einer alten Frau auf? Du wirst hundemüde sein nach der langen Reise. Da hinten die Treppe hoch liegt dein Zimmer. Nr. 7!“
Jetzt wo Wahbet es gesagt hatte, fielen Xerxis fast die Augen zu.
„Ja ich leg mich besser hin. Gute Nacht“, murmelte er und schlurfte in sein Zimmer.

Am nächsten Morgen stand die Sonne schon sehr hoch am Himmel, als Xerxis endlich erwachte. Ohne dass er sich daran erinnern konnte, sie am Vorabend abgelegt zu haben, schlüpfte er in seine zerschlissene Kleidung und nach kurzem Zögern band er sich den Dolch am Gürtel fest. Prüfend betrachtete sich Xerxis im Spiegel. Seine Kleidung hatte starke Ähnlichkeit mit einer alten Kuhhaut.
Angewidert entschloss er sich noch heute neue zu kaufen. Hier, in Alegria, wo auf korrekte Kleidung viel Wert gelegt wurde, konnte er schlecht mit diesen Fetzen herumlaufen.
Leise, um evtl. Langschläfer nicht zu wecken, schlich er sich auf die Straße hinaus und lief in Richtung des Handelsdistriktes. In einem kleinen Eckladen kaufte er nach längerem Feilschen eine, zwar einfache, aber gut gearbeitete Hose, nebst Hemd und Umhang. Die Anschaffung fraß fast den ganzen Rest seiner Barschaft auf.

Auf dem Rückweg überlegte Xerxis, was er tun könne. Er entschloss sich Wahbet um Rat zu fragen. Nach kurzer Suche fand er sie im Schankraum.
„Wahbet könnt Ihr mir einen Rat geben? Ich brauche eine Arbeit. Womit hat man hier die besten Aufstiegsmöglichkeiten?“
„Das kommt darauf an. In deinem Alter würde ich empfehlen, zunächst eine Ausbildung beim Heer zu machen. Anschließend hast du bessere Aussichten.“

Xerxis erinnerte sich an die Worte des Leutnants, der ihm das Gleiche nahe gelegt hatte. Ihm blieb keine andere Wahl, und so machte sich Xerxis auf den Weg zur Drossberg Kaserne, den ihm Wahbet beschrieben hatte.
An dessen Tor standen Soldaten der Stadtwache.
„Halt! Wer seid Ihr?“
„Mein Name ist Xerxis. Ich will dem Heer beitreten. Leutnant Pierró meinte, ich solle mich nach ihm erkundigen“
„Leutnant Pierró? Über den Hof. Das kleine Gebäude ist die Offiziersmesse.“
Der Soldat schlug die Faust auf die Brust. Xerxis erwiderte den Gruß und trat ein.

Auf dem Hof wimmelte es nur so von Kriegern. Die meisten trugen die hellgrauen Uniformen des Heeres, aber er sah auch die Weißen der Soldaten der Stadtwache und der Palastgarde. Sogar mehrere mit den Roten der Truppen der verschiedenen Grafen.
Xerxis fühlte sich bei ihrem Anblick plötzlich an Vicomte de Vetry erinnert. Ob er wohl hier war? Kurze Zeit später erreichte er das beschriebene Haus. Vor dessen Tür standen abermals Soldaten, diesmal allerdings im Grau des Heeres gekleidet.
„Wohin des Weges?“
„Leutnant Pierró wünscht mich zu sprechen“
„Dann warte hier auf ihn!“
„Könnt Ihr ihn holen?“
„Nein!“

Xerxis Blick verfinsterte sich bedenklich. Solche Wichtigtuer konnte er nicht leiden. Offenbar bemerkte das auch der Soldat, denn er gab seinem Kameraden ein unauffälliges Zeichen, der daraufhin seinen Säbel lockerte. Zum Glück tauchte in diesem Moment der Leutnant auf, und verhinderte, dass die Situation noch weiter eskalierte.
„Leutnant Pierró?“
„Ah ja. Der Junge von der Straße. Hast du es dir überlegt?“
„Ja, ich werde euer Angebot annehmen.“
„Gut. Dann geh zu dem grauen Haus dahinten. Dort ist die Meldestelle.“
„Vielen Dank.“


Das Eintragen entpuppte sich als langwieriger Prozess. Zunächst wurde Xerxis genau untersucht, bis sich Xerxis schließlich fühlte, als könne er vor diesem Arzt nicht verbergen. Der Arzt füllte außerdem ein Formular mit allen wichtigen körperlichen Merkmalen aus. Mit seinen Untersuchungsergebnissen bewaffnet ging es anschließend zum psychologischen Gutachten, wo er entnervt dem Psychologen zu erklären versuchte, dass er weder einen Seelenklempner brauche, noch Fixierungen in seiner oralen Phase hatte. Xerxis’ Unterlagen wurden ergänzt und dann - endlich – ging es zu den Meldelisten. Der dort auf ihn wartende Schreiber sah aus, wie man sich den typischen Bürokraten vorstellt. Klein, aufgedunsen und blasse Gesichtsfarbe.

„Untersuchungsergebnisse, bitte!“
„Seid gegrüßt.“
Xerxis händige ihm die Mappe aus, die er überflog, zufrieden grunzte und sich ans Eintragen machte.
„Name?“
„Xerxis.“
„Aus welchem Geschlecht?“
„Meine Familie habe ich nie kennen gelernt. Ich bin bei einer Pflegefamilie aufgewachsen.“
„Was soll ich dann eintragen?“, fragte der Schreiber mit weinerlicher Stimme.
„Ihr seid der Schreiber.“,
war die nüchterne Antwort Xerxis’
„Alter?“
„16.“
„Augenfarbe?“
„Grau.“
„Haarfarbe?“
„Schwarz.“


Weiter unverständlich vor sich hinbrabbelnd schmierte der Schreiber auf seinen Dokumenten herum.
„So! In zwei Tagen findet ein Konditionstest statt. Dort wird geprüft, ob die Rekruten sich für das Heer eignen. Melden sie sich gegen Morgengrauen in der Drossberg Kaserne.“

Damit war er entlassen. Die nächsten Tage nutze Xerxis dazu, noch etwas zu trainieren. Es wäre schließlich fatal, sollte er nun bei diesem Test durchfallen.
Wahbet hatte ihn mittlerweile richtiggehend in ihr Herz geschlossen. Bis er in der Kaserne wohnen durfte, gewährte sie ihm gratis Kost und Logis. Xerxis Barschaft war mittlerweile aufgebraucht.
Zwei Tage waren vergangen. Xerxis stand im Morgengrauen auf dem Übungsplatz neben der Drossberg Kaserne. Der kalte Nebel kroch ihm unter die Kleidung. Ihm fröstelte. Wenigstens bin ich nicht der Einzige, dachte er, als sein Nebenmann zusammenfuhr. Ob das nur an der Kälte lag, oder ob diese Reaktion auf den Offizier zurückzuführen war, der gerade erschienen war, sollte Xerxis nie erfahren.

„Ich bin Feldwebel Rechmiré. Das hier ist eure Aufnahmeprüfung. Wer hier versagt bekommt keine zweite Chance. Er hat zu gehen und wird nicht mehr zurückkommen. Im Heer brauchen wir keine Versager.
Die Prüfung ist folgendermaßen aufgebaut: Ich teile euch zu Paaren ein. Zusammen werdet ihr hier die verschiedenen Stationen absolvieren. Wenn einer der Beiden schlapp macht, wird das sein Partner büßen. Er wird ihn tragen müssen. Noch Fragen?“


Niemand sagte etwas.

„Gut ich stelle jetzt die Paare zusammen. Das geschieht völlig willkürlich. Wenn ich euch aufrufe, kommt ihr her.
Chufu dePtolemaios – Lielos Tromedlov
July Frisco – Francesco Jaqc
Xerxis – ...Vicomte deVetry"


Xerxis war überrascht, und das galt offenbar auch für Vicomte. Als sie nebeneinander standen, konnten sie sich leise unterhalten.
„Ich wusste gar nicht, dass du dich auch den Truppen des Grafen diAuriacs angeschlossen hast.“
„Habe ich mich auch nicht. Ich will zum kaiserlichen Heer. Scheinbar werden wir gemeinsam geprüft, um...“

In diesem Moment wurden sie vom Feldwebel unterbrochen, der ihnen befahl, sich zu verteilen und an die einzelnen Stationen zu gehen. Dort würde man ihnen erklären, was zu tun sein.
Von den nächsten Stunden hatten fast alle nur verschwommene Erinnerungen. Sie wurden alle gehetzt, bis die ersten von ihnen zusammenbrachen. Auch Xerxis und Vicomte waren am Ende ihrer Kräfte, als der Test endlich beendet war. Sie wurden, wie alle anderen nach Hause geschickt, wo sie warten sollten, bis ihre Ergebnisse kämen. Kaum waren sie in ihren Quartieren, als sie auch schon in ihre Betten fielen und auf der Stelle einschliefen.
Xerxis erwachte fast 13 Stunden später. Er hatte einen solchen Hunger, dass er schon befürchtete, die Speisekammer Wahbets vollständig zu leer zu räumen. Glücklicherweise erwies sie sich als voller, als zunächst angenommen.
Nachdem die Teller geleert waren, teilte Wahbet ihm mit, dass die Prüfungsergebnisse gebracht worden waren. Sie händigte ihm einen Umschlag aus, auf dessen Vorderseite ein großes Siegel aus rotem Wachs zu sehen war.
Begierig das Urteil zu erfahren, riss Xerxis den Brief auf. Heraus kam ein einziges Blatt Pergamentpapier. Unter dem pompösen Briefkopf mit dem Wappen des Reiches Alegria stand nur ein kurzer Text.

Zitat:
Seiner Majestät Reich, Alegria, den XXV. Tag des Monats Julius im Jahre CLXXXIXn.AII.s.G..
An den Bürger Xerxis
Ihr habt den Test zur Aufnahme in seiner Majestät Heer erfolgreich bestanden. Eure Ausbildung beginnt am XXVI. Tag des Montas Julius im Jahre CLXXXIXn.AII.s.G.. Meldet euch im Morgengrauen in der Drossberg Kaserne.
Hochachtungsvoll
Feldwebel Rechmiré


Er war angenommen.

_________________
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Zuletzt bearbeitet von [Federation]Lord Avedis am 13.05.06 22:00, insgesamt 7-mal bearbeitet
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Beitrag Titel:
Verfasst am: 07.06.05 10:55
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Kapitel 2: Die Ausbildung

Der Tag verging wie im Fluge. Xerxis sah sich noch in seiner Hochstimmung etwas in der Stadt um, und kehrte gegen Abend in die Gaststätte zurück. Da er sehr früh aufstehen musste, ging er früh zu Bett. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen seiner Hochstimmung schlief er erst sehr spät ein. Am nächsten Morgen musste es schnell gehen. Er packte seine Sachen zusammen, bedankte sich ein letztes Mal bei Wahbet, versprach sie zu besuchen und machte sich auf den Weg zur Kaserne. Die Wachen ließen ihn anstandslos passieren und erklärten ihm sogar, wo er sich melden musste.

Die Meldung selbst war reine Formsache. Abgesehen von der Unterzeichnung der Meldebestätigung wurde nichts gefordert. Er bekam seine Uniform und seine Waffen ausgehändigt. Zudem wurde Xerxis ein Zimmer im Wohnbereich der Kaserne zugewiesen. Dort verstaute er seine Sachen und machte sich, wie befohlen, auf zum Kasernenhof. Nachdem die letzten Nachzügler eingetroffen waren, kam ein recht betagter Offizier an.

„Ich bin Hauptmann Hausknecht und habe das zweifelhafte Vergnügen euer Ausbilder zu sein. Wenn ihr mich ansprecht, dann nur mit Herr Hauptmann oder Mein Gebieter. Sobald ich mit euch faulem Haufen fertig bin, werdet ihr alle auf dem Schlachtfeld etwas leisten können. Wobei ich das bei manchem von euch doch eher bezweifeln möchte.“

Seine Augen flackerten von Gesicht zu Gesicht und bleiben schließlich an Xerxis’ haften. Die fast schwarzen Augen des Hauptmanns weiteten sich, als er Xerxis’ Blick aus dessen stahlgrauen Augen begegnete. Doch Hausknecht hatte sich schnell wieder unter Kontrolle. Schließlich war er es, der das stumme Blickduell abbrach. Kaum einer hatte etwas davon bemerkt.

„Eure Ausbildung wird folgendermaßen aussehen. Zunächst ein Aufbautraining, anschließend Ausbildung im Schwertkampf, sowie in Taktik. Zum Schluss kommen dann größer angelegte Manöver, wo ihr euer euch angeeignetes Wissen und euer Können unter Beweis stellen müsst.
Die Hälfte von euch wird die Ausbildung nicht durchstehen, aber die andere Hälfte wird aus diesen Prüfungen gestärkt hervorgehen.
Morgens um 5.30 Uhr ist Frühstück in der Kantine. Um 6 seid ihr auf dem Übungsplatz. Selbstverständlich in Uniform. Von 12 – 12.30 Uhr ist Mittagessen. Danach seid ihr wieder auf dem Übungsplatz. Gegen 18 Uhr gibt’s Abendessen und ab 20 Uhr ist Nachtruhe. Alle zwei Wochen habt ihr einen freien Tag. Bei sehr gutem Verhalten jede Woche.
Gleich werde ich euch den Schlafsaal, die Waschräume und die Kantine zeigen. Zuvor jedoch ein gut gemeinter Rat. Ihr seid Soldaten der Krone. Ihr dürft zu anderen regulären Truppenteilen Kameradschaften haben. Ich empfehle jedoch, zu den Soldaten der Grafen keine Freundschaften zu hegen. Noch Fragen? Gut dann mir nach. In Zweierreihen und Gleichschritt. Vorwärts! Marsch!“


Nach dieser Rede setzten sich die neuen Rekruten mehr schlecht als Recht im Gleichschritt in Bewegung. Die Unterbringung erwies sich als besser als erwartet. Auch die Verpflegung schien gut zu sein. Lediglich mit seinen Kameraden konnte Xerxis wenig anfangen. Bis auf ein paar Ausnahmen hielt er sie alle für hirnlose Muskelprotze. Mit einem von dieser Spezies macht er gleich am ersten Tag unliebsame Bekanntschaft.
Der Hauptmann hatte ihnen befohlen sich ihre Uniformen anzulegen. Anschleißend würde er sie zum Training abholen.

Xerxis hatte gerade Uniform und Rapier angelegt, als besagtes Muskelpaket vor ihn trat. Ein renitenter, herausfordernder Zug lag auf dessen Gesicht. Er überragte den auch nicht gerade kleinen Xerxis um Haupteslänge.

„So Kleiner, ich bin Ludwig und glaube du willst deine Zeit beim Heer nicht unangenehmer als nötig machen.“
„In der Tat. Ich schätze das gilt für jeden von uns hier. Auch für dich.“, entgegnete Xerxis, nicht im mindesten eingeschüchtert. Mit Personen diesen Schlages hatte er auf seiner Wanderung ausreichend Bekanntschaft gemacht. Ludwig taxierte er als Feigling.
„Gut so. Du wirst mir die Hälfte deines Soldes überlassen.“, erklärte Ludwig unüberhörbar.
„Zähl erstmal bis 10. Ich brauch eine Stunde Ruhe, Dicker.“
„Kleiner, bei deiner Statur wäre ich vorsichtig. Du....“
„Entschuldige, dass ich dich unterbreche, aber es hat mich nicht im Geringsten interessiert.“


Ludwig ballte die Fäuste, sein Gesicht verzog sich vor Wut. Mit einem dumpfen Röhren ging er auf Xerxis los, der auswich. Sein eigener Schwung riss ihn vornüber und er fiel auf den Boden. Ludwig rappelte sich verdutzt hoch und versuchte es noch einmal. Xerxis bückte sich seitlich weg. Seine Faust landete mit einem ekelhaften Krachen in Ludwigs Gesicht.

Der zog sein Schwert und winkte seine beiden Kumpane herbei, die ebenfalls blankzogen.

Die anderen Rekruten wichen zurück, als die drei mit hoch erhobenen Schwertern auf Xerxis zu rannten.

Xerxis Verstand schaltete ab. In dem Moment, in dem der Erste ihn erreichte, zog er seinen Rapier auf der Scheide und bohrte dessen Klinge tief in den Oberschenkel des Angreifers, während er tänzelnd dem zuschlagenden Schwert auswich.
Mit einem Ruck zog Xerxis die Klinge zurück. Aufheulend ging der erste Feind zu Boden. Dem Zweiten erging es nicht besser. Xerxis parierte den unpräzisen, aber kräftigen Schwertstreich mit seinem eigenen Schwert, dass sein ganzer Arm unter der Wucht des Angriffes erbete. Mit einer komplizierten Drehung durchbrach er die Deckung seines Gegners und zog seinen Stoßdegen mit eisiger Genugtuung zweimal blitzschnell über dessen Gesicht. Zwei, ein X bildende, blutige Striche waren zu erkennen. Der zweite Feind war ausgeschaltet. Doch nun kam Ludwig auf Xerxis zu. Auch dessen ersten Hieb konnte Xerxis abwehren. Als sich die Klingen funkensprühend mit einem helle Kreischen kreuzten, raunte Xerxis zwischen den Zähnen hervor, so leise, dass es die anderen nicht hören konnten: „Wenn ich aussehen würde wie du, würde ich meine Eltern anzeigen.“

Ein Keuchen verriet Xerxis, dass Ludwig seinen Kommentar verstanden hatte. Fluchend hob er sein Schwert, doch Xerxis war schneller. Er wirbelte um Ludwig herum, parierte dessen ungeschickten Streich und riss seinen Dolch aus dem Gürtel. Mit dem Dolch an der Kehle, wurde Ludwig auf einmal ganz zahm.

„So und jetzt sag Folgendes: ,Ich unterwerfe mich der Gnade des Xerxis. Mein Leben gehört ihm.’“

Um seine Forderung zu bekräftigen, drückte er etwas zu, sodass die Haut angeritzt wurde und ein einzelner Blutstropfen langsam den Hals herunter lief. Ludwig, dem die Panik im Gesicht stand, krächzte: „Ich unterwerfe mich der Gnade des Xerxis. Mein Leben gehört ihm.“
Langsam zog Xerxis den Dolch weg.

Stille! Angst! Fassungsloses Entsetzen um ihn herum! Einer der anderen Rekruten, der gerade miterlebt hatte, wie Xerxis scheinbar mühelos die drei kräftigsten Rekruten der neuen Kompanie besiegt hatte, begegnete Xerxis’ Blick und zuckte zusammen, als er den Hass und die Wut in Xerxis’ Augen lodern sah. So konnte sich Xerxis gleich am ersten Tag Respekt verschaffen.

Kurze Zeit später tauchte Hauptmann Hausknecht auf. Er fragte nicht, was vorgefallen war, sondern sagte mit Blick auf die beiden blutenden Gestalten nur: „Lazarett!“ Ohne sie weiter zu beachten wandte er sich den anderen zu und befahl: „Alle mitkommen! Eure Ausbildung beginnt.“

Auf dem Kasernenhof angekommen hielt er eine Überraschung für sie parat.

„Mit Beginn eurer Ausbildung seid ihr alle Gefreite. Aber einer von euch, wird der Vorsteher eurer Gruppe. Euer Sprecher. Der Unteroffizier. Irgendwelche Vorschläge, wer dies sein sollte? Bedenkt, dass ihr einen sowohl starken, als auch klugen Anführer braucht.“

Ludwig meldete sich. „Ich schlage Xerxis als Unteroffizier vor, Mein Gebieter.“
Hausknecht zeigte sich nicht im Mindesten überrascht.
„Wer ist für Xerxis?“, fragte Hausknecht. Alle meldeten sich.
„Nimmst du die Wahl an?“
„Ja, Mein Gebieter.“
„Gut so. Unteroffizier Xerxis, teilt eure Mannschaft in drei Gruppen ein. Jeder Gruppe steht ein Obergefreiter vor, den ebenfalls Ihr bestimmt.“


Wie es ihm befohlen wurde, teilte Xerxis seine Leute in drei Gruppen ein. Dabei achtete er darauf, dass in jeder Gruppe sowohl Kraft, als auch Intelligenz vertreten waren. In der ersten Gruppe machte er Ludwig zum Obergefreiten, in der zweiten einen Soldaten, der klügeren Sorte, die dritte Gruppe übernahm er selbst.

Die mehrere Wochen dauernde Ausbildung meisterte die Gruppe gut. An seinen freien Tagen besuchte Xerxis entweder Wahbet, erkundete die Stadt, oder traf sich mit Vicomte, wobei beide Zivil trugen. Hausknechts Empfehlung war Xerxis nicht aus dem Kopf gegangen und auch Vicomte hatte man nahe gelegt, sich nicht mit der regulären Truppe einzulassen.
Beim Waffen- und Taktiktraining gab es zunächst noch einige Probleme, weil viele nicht glauben konnten, dass Technik, Kraft beim Duell überwiegt. Es bedurfte eines Hinweises von Xerxis, an seinen Kampf mit Ludwig und seinen Genossen. Danach akzeptierten die Männer seine Einstellung und strengten sich noch mehr an.

Beim Taktikunterricht gab es noch deutlichere Differenzen. Am Ende verblieben sie so, dass die Lehrer Xerxis ihren Stoff vermittelten, den er dann an seine Leute leichter verständlich weitergab. Dieses Engagement brachte ihm unerwarteterweise die Beförderung zum Feldwebel ein. Auch Vicomte war mittlerweile Kommandant eines kleinen Trupps der Truppe des Grafen diAuriacs.

Endlich war die langwierige Ausbildung abgeschlossen. Jetzt begannen die Manöver.

_________________
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Verfasst am: 10.06.05 21:05
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Ein Teil von

Kapitel 3: Erste Gefechte

Diese wurden natürlich nicht in Alegria abgehalten. Zum einen, war die Insel nicht groß genug, um wirklich größere Schlachten durchspielen zu können, zum anderen war es positiv, wenn die Soldaten in den alegrianischen Provinzen Präsenz zeigten. Die Kompanie wurde mit Schiffen ins nicht allzu weit entfernte Nord-Ceuta gebracht, welches schon seit Jahrhunderten, genauer gesagt seit Kaiser Julius I., eine Provinz des Kaiserreiches von Alegria war.

Kaum waren sie im Hafen der Festungsstadt Noyl gelandet, ging es auch schon weiter ins Inland. Unbarmherzig angetrieben von Hauptmann Hausknecht, der immer noch ihr (verhasster) Ausbilder war. Seine Sympathie hatte er sich bei der Truppe verscherzt, als er dreimal in Folge den freien Tag strich. Und das jedes Mal ohne nennenswerten Grund.
Erst als sie in dem Lager waren, wurden sie in das „Manöver“ eingeweiht. Die Übung sah so aus, dass sich Xerxis’ Trupp, der mittlerweile aus immerhin knapp 200 Mann bestand, damit befassen sollte, Rebellen der Befreiungsfront Nord-Ceuta (LCN) zu suchen und zu töten bzw., falls möglich, gefangen zu nehmen.

Der Auftrag erwies sich als äußerst langwierig. Die LCN hatte sich lange nicht gerührt, und es war nichts über mögliche Aufenthaltsorte bekannt. So blieben Xerxis und seine Kompanie in der Kaserne und versuchten die Langeweile zu verdrängen.
Schließlich wurde Xerxis, aus lauter Verzweiflung, ein anderer Auftrag zugeteilt. Sie sollten einen Patrouillengang in das befreundete Dorf Sonlyan aufbrechen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Es war ein Standartauftrag, aber dennoch bestand Xerxis darauf, dass ihm ein ortskundiger Führer zugewiesen wurde. Weil keine Probleme in Sicht waren, wurde seinem Wunsch ungewöhnlich schnell entsprochen.
Das Wetter war gut, ebenso die Straße. Auch stand kein Gefecht in Aussicht, was die Moral und Stimmung der Patrouille ungemein verbesserte. Nach drei Stunden Fußmarsch bogen sie auf einen breiten Waldweg ab, der nach Sonlyan führte und den ihnen der Führer als Abkürzung empfohlen hatte.

Doch irgendetwas stimmte nicht. Es roch penetrant nach Rauch. Im Dorf bzw. dessen, was davon übrig geblieben war, angekommen, machten sie eine grausige Entdeckung. Sonlyan war überfallen und gebranntschatzt worden. Es stand kaum noch ein Stein auf dem anderen. Auch die Bevölkerung war niedergemetzelt worden. Männer, Frauen, Kinder und Alte lagen auf dem Dorfplatz, ihre Gestalten seltsam verkrümmt. Viele der Soldaten übergaben sich, als sie sahen, wie die Leichen zugerichtet waren. Vor dem, was wohl mal das Haupthaus des Dorfes war, stand ein Steinschild, vermutlich aus den Trümmern des Hauses, auf dem, in einer verdächtig nach Blut aussehenden Farbe stand:
Zitat:
Sieg der ruhmreichen LCN. So werden alle Feinde enden


Xerxis Gesicht hatte sich zu einer undeutbaren Maske verzogen. Er stellte Wachen auf, und fragte Lexei, ihren Führer: “Wie lange sind sie schon tot?“
„Das kann ich nicht genau sagen. Vielleicht zwei Stunden.“
„Wie sicher ist es, dass dies das Werk der LCN ist? Wie weit sind sie gekommen? Können wir sie einholen?“


Der Angesprochene dachte einen Augenblick nach und sagte dann: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich. Es wäre nicht das erste Mal. Sie werden vermutlich nicht allzu weit sein. Mit unserer Patrouille konnte ja niemand rechnen. Daher haben sie sich auch nicht die Mühe gemacht ihre Spuren zu verwischen. Wenn wir uns beeilen können wir sie mit Sicherheit einholen.“
„Wo sind sie hin?“
„Nach Norden, auch wenn ich nicht weis, was sie da wollen.“
Xerxis überlegte angestrengt. „Gefreiter Ties, lauf ins Lager und gib den Offizieren bescheid von dem, was hier vorgefallen ist, und sag ihnen, dass wir die Rebellen verfolgen werden.“
„Zu Befehl, Mein Gebieter.“


Der Gefreite ging davon.
„Dafür wird das feige Pack bezahlen.“
Xerxis sprach nicht besonders laut, aber alle konnten ihn hören.

„Obergefreite! Jeder von euch bestimmt drei Späher. Nehmt Leute, die in Punkto Spurenlesen die besten Ergebnisse in der Ausbildung hatten. Sie sollen vorgehen und den Feind suchen. Lexei, ihr führt den Rest der Truppe. Vorwärts!“
Das Gesagte wurde getan. Xerxis befahl der Truppe sich aufzuteilen. Seine Männer würden mit Lexei an der Spitze die Vorhut bilden. Der Hauptteil der Armee sollte von Ludwig angeführt werden, während die Nachhut vom anderen Obergefreiten befehligt wurde.
So aufgeteilt gingen sie in den Wald. Durch das angeschlagene Eiltempo kamen sie rasch voran.

Gegen Abend kamen die Späher zurück und berichteten, dass sie ein befestigtes Lager, fast wie eine Stadt, erreicht hatten. Xerxis schaute fragend Lexei an, der den Kopf schüttelte und sagte: „Hier dürfte es meilenweit keine Ansiedelung geben. Wir sind einen Tagesmarsch von der nächsten Stadt entfernt.“

„Scheinbar nicht.“
Xerxis schaute durch sein Fernglas. „Weder die Fahne Alegrias noch die der Provinz Nord-Ceuta wehen hier. Höchst verdächtig. Haben wir die Grenze eines Landes überquert?“

„Unmöglich wir sind nach Norden gegangen. Ich hätte eine andere Erklärung. Mir sind Gerüchte über eine Rebellenstadt namens Tareps zu Ohren gekommen. Dort soll angeblich ihr Rat tagen. Niemand hätte vermutet, dass sie so weit in unserem Gebiet liegt.“

„Nun dann muss das hier wohl Tareps sein. Wie sehen die Befestigungen aus und wie viele Menschen wohnen dort?“

Einer der Späher antwortete: „Wir werden sie so ohne Hilfsmittel nicht einreißen können. Ich schätze, dort wohnen um 1200 Menschen, also müssen wir mit ca. 500 Kriegern rechnen.“

„5:2 ist für uns ein ungesundes Verhältnis. Einen Sturmangriff können wir uns nicht leisten. Ich muss mir wohl was anderes ausdenken. Beobachtet das Wachsystem!“

Einige Stunden später.

„Mein Gebieter. Wir haben das System heraus. Alle 2 Stunden ist eine Wachablösung. Sie gehen auf der Mauer in genau abgemessenen Bereichen herum und schwenken von Zeit zu Zeit eine Fackel.“

„Sehr gut. Obergefreite, sucht aus euren Trupps die besten Kletterer aus. Sie werden an den Mauern hochklettern und die Wachhabenden leise ausschalten. Sie dürfen keinen Verdacht erwecken. Nachdem sie das getan haben, werden sie ihre Runden fortsetzen, von Zeit zu Zeit ihre Fackeln schwenken und sich möglichst unauffällig verhalten, bis die anderen Krieger über die Seile die Mauern erklommen haben. Oben auf der Mauer wird wenig Zeit bleiben, daher setzt eure Leute jetzt gleich über den Plan in Kenntnis. Wenn sie oben sind, sollen sie leise in den Hof herunter gehen. Die in den Häusern schlafenden Rebellen sollen umzingelt werden. Wenn ich das Angriffssignal gebe, stürmt in die Hütten und tötet sie. Achtet aber darauf, nicht zu viele Frauen und Kinder zu töten.
Sobald die Hütten geklärt sind, findet ihr euch vor der kleinen Zitadelle ein. Dort wartet ihr auf weitere Instruktionen. Stellt euch, wenn ich nicht schon da bin, defensiv auf und wartet.
Unser Angriff erfolgt nach dem letzten Wachwechsel vor Morgengrauen und zwar an der Nordseite. Da werden sie es am wenigsten erwarten. Die Männer sollen sich bereit machen. Wir umgehen die Stadt in weitem Bogen. Wegtreten!“


Nachdem sie die Rückseite der Festung erreicht hatten, verging die Zeit quälend langsam. Den Männern war eingeschärft worden, leise zu sein. Derjenige, der als erster durch Unachtsamkeit die Aufmerksamkeit auf sich ziehe, werde exekutiert.
Endlich war es soweit.

Als die letzte Wachablösung vor dem Morgengrauen stattgefunden hatte, machten sich die Kletterer bereit. Auch die anderen überprüften noch ein letztes Mal ihre Waffen. Zunächst verlief alles nach Plan, ganz so, wie Xerxis es vorausgesagt hatte. Im Schutz der Dunkelheit und der Unaufmerksamkeit der Wachen, liefen die Kletterer das kurze Stück vom Wald bis zu den Mauern. Ihre grauen Uniformen passten sich dabei perfekt dem staubigen Boden an. Am Fuße der Mauer angekommen, suchten sie nach einem festen Halt und erklommen die 10 Meter hohe Umfassung.

Xerxis betete, dass die Wachen blind und taub sein mögen. Sonst hätte ihre Eroberung hier schon ihr unrühmliches Ende gefunden.
Immer wenn eine Wache vorüber war, schwangen sich die Kämpfer über die Mauerkrone, liefen dem Wachtposten nach und schalteten ihn leise aus. Anschließend ließen sie Seile herunter, die es der Hauptstreitmacht vereinfachen sollte, ebenfalls ungesehen hinauf zu gelangen. Um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erringen, setze die Vorhut auf dem Wall die Patrouillen fort und schwenkte von Zeit zu Zeit die Fackeln, was zeigen sollte, dass alles in Ordnung sei.

Jeder der Soldaten, der den Schutzwall der Stadt überwunden hatte, lief sofort die Treppen hinab und verbarg sich im schatten der Mauer. Getreu ihren Befehlen, begannen die Obergefreiten, ihre Leute in die Hütten zu schicken, damit noch möglichst viele Feinde im Schlaf überrascht und unschädlich gemacht werden konnten. Das klappte ebenfalls ganz gut. Bis die ersten Schreie durch die Stadt hallten, konnten Xerxis Männer einen Gutteil der Feinde eliminieren. Auch die gerade wach gewordenen Gegner stellten keine besonders große Gefahr dar. Die Frauen und Kinder, die sich ebenfalls in den Hütten aufhielten, wurden auf einem Platz zusammengetrieben und scharf bewacht. Noch während ein Großteil seiner Soldaten mit den Behausungen beschäftigt waren, führte Xerxis 50 Mann zu der kleinen Burg, in der er die Befehlshaber der Stadt vermutete. Seine Männer sollten die Tore bewachen, nicht dass sich noch die Belegschaft der Zitadelle absetzte...

Mittlerweile waren die Hütten überprüft. Alle alegrianischen Soldaten fanden sich auf dem Hof vor der Zitadelle ein. Auf deren Mauern waren Bewaffnete erschienen, die sehr viel wacher als die Soldaten in der Stadt aussahen und die auch in der Lage zu sein schiene, einen direkten Sturmangriff abzuwehren. Um nicht sinnlos viele seiner Männer zu verlieren, befahl Xerxis die Mauern der Festung mit Pfeilen zu überschütten. Im Schutze dieses Sperrfeuers, rückten die Alegrianer vor, jede sich bietende Deckung ausnutzend.

Das Kastell ragte drohend vor ihnen aus der Dunkelheit hervor. Scharf zeichneten sich die Konturen gegen den langsam heller werdenden Himmel ab. Mit einem Baumstamm als provisorischem Rammbock, den sie auf dem Platz vor der Festung gefällt hatten, gelang es ein paar Männern, das Tor zu beschädigen. Xerxis überlegte. Das Tor musste so schnell wie möglich nachgeben. Schon bald würden den Schützen die Pfeile ausgehen und dann... Gute Nacht.

Doch plötzlich krachte es und das Tor sprang mit einem berstenden Geräusch auf. Scheinbar war der Riegel zertrümmert worden. Auf Xerxis’ Befehl strömte die erste Welle der alegrianischen Soldaten wie eine Flutwelle in den abweisend geöffneten Rachen des zerschmetterten Tores. Sie erlebten eine böse Überraschung. Die erste Reihe wurde mit einer Salve Pfeile an den Boden genagelt. Der Zweiten Reihe erging es nicht viel besser, doch dann waren die Alegrianer nahe genug heran, um dem Widerstand den Garaus zu machen. Im Nahkampf blieb den zahlenmäßig unterlegenen Verteidigern keine Chance. Auch die gute Ausbildung durch den Schleifer Hauptmann Hausknecht tat ihren teil zu dem Ausgang des Gefechtes bei. Als Xerxis die Schützen, die bis dato vor dem Tor gewartet hatten auch noch in die Schlacht warf, wurde der letzte klägliche Widerstand im Tor gebrochen.

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Verfasst am: 16.06.05 21:11
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Rest von Kapitel 3:

In den Räumen der Zitadelle wehrten sich die Rebellen noch bis zuletzt, doch nach einer Stunde war die Feste genommen. Noch bevor irgendetwas anderes geschah, wurde die Flagge des Kaiserreich Alegria auf dem höchsten Turm gehisst.

Als Xerxis zu dem vermuteten Rat wollte, wurde er bitter enttäuscht. In einem Raum der Burg, in dem eine große Fahne Ceutas die eine Wand verdeckte, wartete ein Mann auf ihn. Eine kleine Gruppe von Soldaten, sowie Obergefreiten waren ebenfalls anwesend.

„Ich bin Joán, der Hausverweser.“
„Feldwebel Xerxis! 5. alegrianische Armee, 4. Division, 1. Bataillon, 3. Kompanie. Wo ist der Rat?“
„Ich fürchte, ich muss Euch enttäuschen. Sie haben die Zitadelle noch vor eurem Angriff durch einen Geheimgang verlassen.“


Mit einem Wutschrei rammte Xerxis seinen Dolch in einen der herumstehenden Sessel.

„Obergefreite, wählt die 60 schnellsten Läufer aus euren Zenturien aus. Wir werden sie kriegen. Solange ich abwesend bin, seid ihr für die Sicherheit der Stadt verantwortlich. Und du wirst uns zum Geheimgang bringen!“

Mit diesen Worten musterte Xerxis Joân ungnädig. Dieser hatte die Arme verschränkt und starrte Xerxis trotzig an.

„Weshalb sollte ich meine Leute verraten?“
„Weil sonst alle 30 Sekunden einer unserer Gefangenen den Kopf verlieren wird.
“, meinte Xerxis herablassend. Joân gab auf.
„Ihr seid ein Bestie.“
„Nicht mehr als eure Leute, die ganze Dörfer abschlachten.“


Während dieses Disputes suchten die Obergefreiten die gesuchten Leute aus ihren Zenturien und kurze Zeit später standen die erschöpften Männer vor Xerxis.

„Ihr habt gut gekämpft, aber ein letztes muss ich euch heute noch abverlangen. Der Rat der LCN ist geflohen. Wir müssen sie fangen. Jetzt haben wir die Möglichkeit diesen unseligen Krieg ein für allemal zu beenden. Damit wird es keine weiteren Fälle wie Sonlyan geben.“

Die vorher noch ablehnenden Mienen seiner Soldaten verschlossen sich bei der letzten Bemerkung. Sie waren bereit, alles zu geben um Sonlyans Bevölkerung zu rächen.

Der Hausverweser brachte sie zu dem Geheimgang und erklärte ihnen den Weg. Er begann hinter einem alten Gemälde, welches den König von Ceuta zeigte. Nach der Beschreibung sprach Xerxis ihn an:
“Wenn wir auf dem beschriebenen Weg nicht wenigstens Spuren des Rates finden, springt die ganze Stadt über die Klinge. Falls dir unter diesen Umständen noch wichtige Details einfallen, an die du bisher nicht gedacht hast, ist jetzt die letzte Möglichkeit sie uns mitzuteilen.“
„Ich habe Euch alles gesagt.“
„Lexei, du gehst voraus. Wollen wir für die Stadt hoffen, dass der Rat Tareps so schnell verlassen hat, dass ihnen die Zeit fehlte, ihre Spuren zu verwischen. Vorwärts!“


Sie hatte nicht die Zeit gehabt. Der Rat reiste schnell nach Süden und versuchte quer durch den Wald ins Königreich Ceuta zu entkommen. Um sie nicht entwischen zu lassen, trieb Xerxis seine Leute unbarmherzig weiter.

„Ausruhen könnt ihr später. Beeilt euch!“

Lediglich die Tatsache, dass Xerxis die gleichen Strapazen auf sich nahm, verhinderte die Meuterei der Soldaten.

Doch das wahnsinnige Eiltempo in dem sie dem Rat hinterher hetzten hatte auch etwas Gutes: Sie kamen ihm immer näher, was man an den frischen Spuren unschwer erkennen konnte. Gute zwei Stunden später kam Lexei zu Xerxis. Er war gerade unterwegs gewesen, um die Umgebung zu sondieren und nach weiteren Spuren Ausschau zu halten.

„Da vorne sind sie. Wir müssten sie bald sehen können. Scheinbar fühlen sie sich einigermaßen sicher. Sie rasten und sie haben sogar ein Feuer angezündet. Es stehen nur wenige Wachen herum. Die Meisten sitzen mit dem Rat am Feuer und essen.“
„Ich mache mir selbst ein bild von der Lage. Wartet hier!“


Diese letzten Worte galten seinen Männern.

Xerxis und Lexei schlichen los. Tatsächlich! Völlig ahnungslos saßen die Rebellen am Feuer. Es waren höchstens 20 Menschen. Auch fast alle Wachen hatten sich mittlerweile in der Runde eingefügt und ließen es sich schmecken. Xerxis überlegte, wie sie sie am besten überwältigen könnten. Die Lichtung, in deren Mitte die Feinde saßen, hatte einen Durchmesser von maximal 15 Metern. Bei denen sollte eine einfache Einkesselung reichen. Er gab Lexei ein Zeichen und sie kehrten zu den anderen zurück.

„Alles herhören! Da vorne sind sie. Sie sitzen auf einer Lichtung und rechnen scheinbar nicht mit einem Angriff. Wir werden sie einkesseln. Ihr bleibt im Wald um die Lichtung herum und verbergt euch. Auf mein Kommando tretet ihr hervor und schließt einen Ring um das Feuer. Richtet eure Bögen auf die Rebellen, schießt aber nur, wenn einer meint, den Helden spielen zu müssen. Alles verstanden? Gut dann los! Aber leise!“

Es wurde ein Bilderbuch-Manöver. Die Soldaten verteilten sich im umliegenden Wald, überprüften ihre Bögen und warteten auf Xerxis’ Befehl. Nachdem dieser noch ein letztes Mal die Positionen überprüft hatte, zupfte er seine Uniform zurecht, bis sie tadellos saß und spazierte seelenruhig auf das Lagerfeuer zu. Da er sich im schatten der Bäume bewegte, konnten die Wachtposten ihn zunächst nicht sehen. Erst als er durchdringend pfiff und laut verkündete: „Im Namen seiner Majestät, Kaiser Charles II., Herrscher des Kaiserreich Alegria. Ergebt euch! Ihr seid verhaftet.“, wandten die Rebellen sich ihm zu.

Gleichzeitig sprangen Xerxis’ Männer aus dem Wald und umschlossen das Feuer. Die Bögen gespannt, bereit beim ersten Anzeichen von Gegenwehr die Gegner zu durchbohren.

Mit Blick auf eines der Ratsmitglieder, dessen Hand sich langsam zum Schwertknauf tastete, meinte Xerxis nur: „ich würde das lassen, wenn du dich nicht von der Präzision unserer Schützen überzeugen willst.“

Das Ratsmitglied wollte es scheinbar nicht und wurde brav.

„Legt eure Waffen auf den Boden, aber schön langsam wenn ich bitten darf.“

Hasserfüllte Blicke trafen Xerxis. Dieser zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt.

Aus der Gruppe der Ratsmitglieder trat ein alter Mann hervor. Er war nicht besonders groß, aber er strahlte eine Aura der Macht und Unbezwingbarkeit aus, die ihn wachsen ließ. Zum Glück ist er nicht mehr jung, dachte Xerxis. Gegen dem würde ich lieber nicht kämpfen.
Der schneeweiße lange Bart des Alten zitterte sacht, als er sagte: „Brüder, legt die Waffen nieder. Unser Kampf ist vorbei. Der Kaiser hat gesiegt.“

Einige der Rebellen waren erschüttert, andere apathisch und wieder andere trotzig. Erst jetzt realisierten sie, was diese Gefangennahme für sie bedeutete. Doch dem Wort des alten Ratsmitgliedes beugten sie sich.
Nur einer der feindlichen Krieger wollte nicht klein beigeben. Er riss sein Schwert aus der Scheide und machte einen Schritt auf Xerxis zu, der sich nicht im Mindesten rührte und ungerührt beobachtete, wie drei Pfeile auf einmal den Widerstand des bockenden Soldaten ein für allemal brachen.

„Fesselt ihnen die Hände. Wenn sie zu fliehen versuchen, tötet sie! Wir marschieren zurück zum Dorf der Rebellen.

In Zweierreichen machten sie sich auf den Rückweg. Verständlicherweise dauerte der Rückweg mit den Gefangenen im Gepäck wesentlich länger als der Hinweg. Bei ihrer Ankunft in Tareps war es schon Nacht. Doch trotz der späten Stunde erlebten sie eine Überraschung. Eine jubelnde Menschenmenge empfing sie. Eindeutig mehr als die Truppe von Xerxis Kriegern. Am Tor wurden sie von Ludwig und einem sehr mitgenommen aussehenden Mann empfangen. Ludwig stürmte gleich auf Xerxis zu.

„Mein Gebieter. Die Gefängnisse waren voller Alegrianer. Wir haben sie durch Zufall gefunden und befreit. Es müssen um 200 sein. Das hier ist ihr kommandierender Offizier.“
„Oberst Sifopa., 5. Armee, 2. Division. Ihr seid der Befehlshaber?
„Jawohl. Feldwebel Xerxis, 5. Armee, 4. Division, 1. Bataillon, 3. Kompanie.“
„Ihr habt eure Aufgabe sehr gut gemacht. Nicht viele Offiziere könnten mit nur einer Kompanie eine Stadt wie diese hier einnehmen. Ich werde mit General Stoltus über eine Beförderung sprechen.“
„Vielen Dank, mein Gebieter.“
„Wie ich sehe habt ihr den Rat gefangen genommen. Ich werde mich darum kümmern. Legt euch hin. So wie ihr im Moment ausseht, war es kein Sonntagsspaziergang, den Ihr hinter euch habt.“
„Ja, das werde ich tun. Nur tut mir einen Gefallen, mein Gebieter. Meine Soldaten haben gut gekämpft. Aber trotzdem sollen sie ihren Sieg nicht an der Bevölkerung Tareps feiern.“


Xerxis schlug die Faust auf die Brust und schlich einem Soldaten hinterher, der ihm den Weg zu dem ihm zugewiesenen zeigte. Ohne sich noch weiter umzusehen, ging Xerxis fast sofort zu Bett und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf der Erschöpfung.

Am nächsten Morgen erwachte er sehr spät. Scheinbar hatte der Oberst ihn länger schlafen lassen. Gähnend wälzte sich Xerxis aus dem Bett hervor, wusch sich in einer bereitstehenden Schüssel mit (leider eiskaltem) Wasser und kämpfte sich in seine Uniform. Als er aus dem Zelt trat, fragte er einen vorbeigehenden Soldaten nach dem Weg zum Speisesaal. Mit knurrendem Magen machte er sich daran, in die beschriebene Richtung zu gehen.

Das Frühstück war reichhaltig. Die Rebellen mussten sehr viel Nahrung gelagert haben, denn es wurde sogar gefragt, ob er noch eine zweite Portion wolle. Art gestärkt machte sich Xerxis auf die Suche nach Oberst Sifopa, denn allmählich wollte er gerne wissen, wie dieser hierher kam. Er fand den Oberst mitten in der Stadt. Dieser beaufsichtige gerade das Fesseln der Gefangenen.

„Ich nehme an, ihr wollt gerne erfahren, wie wir hierher kommen.“
„Sehr gerne.“
„Das ist eine längere Geschichte. Ich wurde mit meiner Division auf eine geheime Mission geschickt.“ Xerxis dachte: Vermutlich gegen das Königreich Ceuta.
„Nun scheinbar hatte die LCN davon erfahren, jedenfalls hatte sie in einer Schlucht einen Hinterhalt gelegt. Ich habe bei dem Gemetzel beinahe meine ganzen Männer verloren. Von ehemals 7500 leben nur noch etwa 250. Wir wurden hierher verschleppt.“
„Die LCN wird jetzt für ihre Taten büßen.“
„In der Tat. Wir werden so schnell wie möglich nach Lyon ziehen. General Stoltus muss vom Sieg in Kenntnis gesetzt werden.“
„Wie lange wird denn das Fesseln dauern?“, fragte Xerxis
„Vermutlich noch ein paar Stunden. Ich werde die gesamte Bevölkerung mitnehmen. Diese Stadt soll nicht mehr bewohnt sein. Außerdem glaube ich, dass der Kaiser auch sie bestrafen will. Aber was mich interessieren würde: Wie habt ihr Tareps gefunden?“
„Das war ein Zufall. Wir waren auf einer Patrouille in ein befreundetes Dorf. Es ist von der LCN zerstört worden, aber da sie nicht mit unserer Patrouille gerechnet hatten, haben sie ihre Spuren nicht verwischt und wir konnten ihnen hierher folgen.“


Xerxis Blick schweifte ab. Er sah die Stadt, die wimmelnde Menschenmassen den tiefblauen Himmel und erfasste schließlich wieder das Gesicht des Obersts.

"Wir hatten einfach nur Glück.“
„Wie dem auch sei. Ich verdanke euch die Befreiung von meinen Männern und mir. Eurem Rang nach, war das euer erstes Gefevht. Vermutlich habt ihr eure Aubildung noch gar nicht beendet.“
Das war eine Feststellung, keine Frage. Xerxis antwortete nicht, da der Oberst schon wieder zum Sprechen anhob.
„Wenn der General nichts anderes mit euch vorhat, würde ich euch gerne in meiner neuen Division haben.“
„Darüber muss ich nachdenken.“
„Wie ihr meint. So genug geredet. Ihr überwacht jetzt das fesseln der Rebellen!“
„Zu Befehl. Ach ja, eine Frage noch. Was soll ich meinem Hauptmann sagen? Er wird es nicht gutheißen, wenn ich nicht in das Lager zurückkehre, sondern direkt nach Noyl ziehe.“
„Ich befehle euch hiermit, mit nach Noyl zu kommen. Sind eure Bedenken damit ausgeräumt?“
„Jawohl, vielen Dank, mein Gebieter.“


Ohne weitere Worte wandte sich oberst Sifopa ab und ging in Richtung der Zitadelle davon.

Durch die lautstarke Mithilfe Xerxis’ gingen die Vorbereitungen zur Abreise deutlich schneller von Statten als zunächst angenommen; sei waren schon eine gute Stunde später abgeschlossen.

Es gab verständlicherweise keine besonders gute Straße von der Rebellenstadt Tareps in Richtung Noyl. Allenfalls einen Pfad auf dem gerade Mal vier Menschen nebeneinander gehen können. Um ihn herum war dichter Wald. Diese vielen Deckungsmöglichkeiten weckten bei Xerxis Argwohn. Leicht konnten sich im Unterholz Feinde verberge, daher schärfte er seinen Männern ein, äußerst wachsam zu sein. Auch ein anderer Punkt bereitete ihm Kopfzerbrechen. Wie konnte man die Gefangenen daran hindern zu Fliehen? Die Lösung war einfach, aber genial. Alle Gefangenen wurden in Gruppen von jeweils 50 am Hals zusammengebunden. Wenn einer zu fliehen versuchen würde, würde er damit die anderen in seiner Gruppe und auch sich selbst strangulieren.
Dank dieser netten Erfindung, kamen sie ohne Zwischenfälle am Abend in Noyl an. Jetzt, wo er nicht mehr im Eilmarsch, unbarmherzig von Hauptmann Hausknecht angetrieben, durch Noyl hindurch getrieben wurde, hatte Xerxis Zeit, sich die Stadt etwa genauer anzusehen. Sie war zwar eine Provinzhauptstadt, doch nicht mit Alegria vergleichbar. Hier lebten nur ein paar Tausend Menschen, während es Alegria auf annährend 250.000 Einwohner brachte. Auch die Gebäude konnten sich nicht mit der Hauptstadt messen. Während dort Marmor und Gold vorherrschend waren, dominierte hier Holz das Äußere. Lediglich das alegrianische Verwaltungsgebäude war aus groben Steinblöcken.
Wenigstens ein Anzeichen von Zivilisation, dachte Xerxis.
Am Eingang wurden sie getrennt. Die Gefangenen wanderten in den Kerker. Die Soldaten wurden in eine Kaserne gebracht, wo sie sich von den Strapazen erholen sollten. Xerxis und Oberst Sifopa wurden zum General geführt. Ein Gefreiter führte sie durch das weitläufige Gebäude. Von innen sah es noch weniger ansprechend aus, als von außen. Raue Steinwände und ein Boden aus hässlichen, grauen Fliesen halfen auch nicht gerade, den Eindruck von Vernachlässigung zu verbergen. In einem Vorraum, der an Kargheit so ziemlich alles übertraf, was Xerxis bisher gesehen hatte, musste er warten, während der Oberst die Amtsräume des Generals betrat, um Bericht zu erstatten.

Da es in dem Raum nichts zu betrachten gab, lehnte sich Xerxis gegen die Wand und versuchte nicht die Stimmen im Inneren des Raumes zu beachten.

Das Stimmengewirr wurde immer erregter und schließlich war es Xerxis nicht mehr möglich, so zu tun, als höre er weg.

Verstehen konnte man nichts, doch es war eindeutig, dass der General und Oberst Sifopa absolut nicht einer Meinung waren. Auf einmal flogen die beiden Türflügel krachend nach außen auf und Wachen zerrten den vor Wut tobenden Oberst an Xerxis vorbei aus dem Raum heraus. Sein Gebrüll verhallte in den Gängen.

Nach dieser etwas unerwarteten Darbietung, wurde Xerxis endlich zu General Stoltus gebeten. Er sah ganz anders aus, als Xerxis sich ihn vorgestellt hatte. Er war weder besonders groß, noch sah besonders stark aus. Im Gegenteil. Stoltus war ein mittelgroßer, untersetzt wirkender Mann, dessen graues Haar sich bereits zu lichten begann. Auf seiner Paradeuniform des kaiserlichen Heeres glänzten viele Orden.
Dieser stand selbstsicher vor einem gewaltigen Schreibtisch auf Klauenfüßen und musterte Xerxis.

Xerxis sah sich schnell und unauffällig um. Von der Kargheit, die auf den Fluren und im Vorraum herrschte, war hier nichts zu spüren. Die Wände waren mit maritimen Bildern bedeckt und auf dem Boden lagen dicke, sehr teuer aussehende Teppiche.

Xerxis konzentrierte sich wieder auf das Gesicht des Generals, der gerade das Gespräch begann.

„Ihr seid Feldwebel Xerxis, 5. Armee, 4. Division, 1. Bataillon, 3. Kompanie?“
„Jawohl, mein Gebieter.“
„Oberst Sifopa hat mir von euren erstaunlichen Leistungen berichtet, aber erklärt mir bitte den ganzen Ablauf noch einmal.“


Xerxis begann zu erzählen während der General aufmerksam, ohne zu Unterbrechen zuhörte. Nachdem Xerxis geendet hatte, sagte Stoltus zunächst einmal gar nichts, doch dann mente er:

„Mit der Eroberung Tareps’ habt ihr eine wirklich außergewöhnliche Leistung vollbracht. Aber dass ihr auch noch den Rat der LCN gefangen und Oberst Sifopa und seine Männer befreit habt ist mehr als nur das. Meinen Glückwunsch.
Eure Ausbildung ist damit beendet. Für eure hervorragenden Leistungen befördere ich Euch hiermit zum Leutnant.
Ja, Ihr hört richtig!“
, sagte der General, als er Xerxis erstaunten Blick bemerkte. „Ihr überspringt den Rang des Fähnrichs.
Noch heute läuft ein Schiff nach Königstolz aus. Ihr werdet einen Posten in der neu gegründeten 6. kaiserlichen Armee bekleiden.
Wie man mir gesagt hat, soll ich nur die besten Leute nach Königstolz schicken. Nach euren Siegen gehört Ihr nun dazu.“


„Vielen Dank, mein Gebieter. Doch erlaubt mir eine Frage: Was ist mit meinen Männern? Werden sie mit mir nach Königstolz versetzt?“
„Sie dürften bereits an Bord sein. Nun die Zeit ist knapp bemessen. Sobald ihr da sein werdet, läuft die KSS Charles nach Königstolz aus. Während der Reise wird man Euch über alle wichtigen Informationen in Kenntnis setzten.
Man wird euch jetzt zum Schiff bringen.“


General Stoltus läutete an einer Glocke und ein Gefreiter trat aus dem Schatten, den Xerxis bis zu diesem Moment gar nicht bemerkt hatte.
Xerxis schlug die Faust auf die Brust und folgte dem Gefreiten aus dem Raum. Als sie das Gebäude verlassen hatten, fragte ihn Xerxis:

„Weshalb hatte Oberst Sifopa so einen Wutanfall vorhin?“
„Er hat erfahren, dass er als tot galt. Folglich wurde seine Position neu besetzt und er ist sein Kommando los. Richtig aggressiv wurde er aber erst, als der General sich weigerte, ihm sein Kommando zurückzugeben und ihn stattdessen, wegen „seines Leichtsinns, wodurch das Heer eine ganze Division verloren hat“ zum Major degradiert hat.“
„Oh! Na dann kann ich seine Wut verstehen.“


Den Rest des Weges legten sie schweigend zurück. Xerxis überlegte, was es wohl mit seinem neuen Posten bei der 6. Armee zu tun haben würde. Einige Minuten später erreichten sie den Hafen.

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Verfasst am: 13.05.06 21:32
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Kapitel 4: An Bord der KSS Charles

Einige Minuten später waren sie im Hafen. Der Gefreite führte Xerxis zu einem wartenden Beiboot und sagte: “Das Boot bringt euch zur Charles.“, salutierte und ging.

Xerxis bestieg das schwankende Boot. Ihm war etwas unwohl, da es eine etwas wackelige Angelegenheit war. Einer der Insassen fragte: „Leutnant Xerxis?“
Als dieser nickte, wurde ihm ein Platz in Bug zugewiesen.

Die kräftigen Ruderschläge der Männer brachten das Boot langsam, aber stetig näher an die KKS Charles heran. Das Schiff, welches sich aus dem Dunst schälte, erstaunte Xerxis. Er hatte ein kleines und auch schon ziemlich mi9tgenommenes Schiff erwartet. Stattdessen stellte sich die Charles als ein sehr neu aussehender Dreimaster heraus. Die flachen, eleganten Aufbauten versprachen eine hohe Geschwindigkeit und gute Segeleigenschaften. Das auffälligste Merkmal war jedoch die Farbe. Das ganze Schiff war, inklusive der Masten weiß gestrichen. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass dies nicht ganz stimmte. Nur die Außenteile waren in weiß gehalten. Die Decks waren wie gewöhnlich unbehandelt.

Mit einem dumpfen Geräusch ging das Ruderboot längsseits und eine Strickleiter wurde zu ihnen herabgelassen. Nach einem fragenden Blick auf einen der Ruderer packte Xerxis die Strickleiter und enterte auf. Zum Glück habe ich keine Höhenangst, dachte er, als er sich hoch hangelte. Oben angelangt schwang er sich gekonnt über die kunstvoll verzierte Reling.

An Deck erwartete ihn ein älterer Offizier, dessen Uniform verriet, dass er einen hohen Rang haben musste. Er ging stand sehr gebeugt, doch Xerxis vermutete, dass dies eher an den vielen schweren Orden liegen würde, die seine Brust zierten.

Beim Näherkommen fraget er: „Ihr seid Leutnant Xerxis?“
„Jawohl!“
„Ich bin Sesostris dePaneb, Kapitän der KSS Charles. Willkommen an Bord. Mit eurem Eintreffen sind wir vollzählig und können mit der nächsten Flut auslaufen.“


Bei der Erwähnung seines Schiffes straffte er sich und ein Strahlen in seinem wettergegerbten Gesicht verriet, wie sehr er sein Schiff liebte.

„Avedis!“

Nach dem letztesn Wort erschien ein vielleicht 15-jähriger Junge.
"Das ist Avedis.“, fuhr er fort. „Er wird Euch das Schiff zeigen und eure Fragen beantworten.“
„Vielen Dank, Kapitän.“


Käpt’n dePaneb machte eine wenig hoffähige Drehung und stapfte in Richtung achtern davon.

Avedis grinste Xerxis frech an und machte eine sarkastische Verbeugung.

„Ganz zu Euren Diensten. Folg mir. Da hinten ist der Niedergang. Von dort kommt man ins Schiffsinnere.“
„Wie lange bist du schon Schiffsjunge hier an Bord?“, fragte Xerxis.
„Ich bin erst seit einem Jahr hier. Also direkt nach dem Stapellauf. Die Charles ist brandneu.“


Inzwischen waren sie hinten angekommen. Avedis riss theatralisch die Tür auf, machte eine einladende Handbewegung und sagte: „Nach dir.“
Langsam tastet sich Xerxis die steile Stiege hinab, die direkt hinter der Tür begann. Nach und nach gewöhnten sich seine Augen an das trübe Licht, das im Inneren herrschte.

Avedis führte Xerxis zu seiner Koje, wo dieser seien Habseligkeiten verstaute. Anschließend ging es zur Offiziersmesse, in der ein äußerst missvergnügt wirkender Koch damit beschäftigt war, die Tische herzurichten.

„Das ist Uwe, einer der Köche.“

Uwe beäugte sie misstrauisch aus seinen fiesen kleinen Rattenäuglein.

„Über sein Essen hat sich noch niemand beklagt...der es überlebt hat. Lediglich dem Schiffsfeldscher mag es nicht. Dem bereitet es einiges an Arbeit.“, , verkündete Avedis so laut wie möglich, damit Uwe auch ja nicht so tun konnte, als ob er es überhöre. Nun musste Xerxis grinsen. Der Koch hatte die Spitze nicht ganz verstanden, doch mit untrüglichem Instinkt gemerkt, dass es eine Beleidigung war. Man konnte hinter seiner Stirn beinahe die sich drehenden Zahnräder sehen, als das Gehirn mühselig ansprang.

Avedis und Xerxis trollten sich lieber.

Sie gingen einen weiteren engen Gang hinunter und kamen zu einer sehr solide wirkenden Tür.

„Hier ist die Waffenkammer. Ohne Schlüssel kommt man hier nicht rein.“

Und weiter ging es in die Laderäume, in denen der Proviant gelagert wurde. Nach einiger Zeit hatten sie den Rundgang beendet. Die meisten Seeleute verhielten sich merkwürdig reserviert. Xerxis gab sich nichts drauf.

Am Abend ging er zur Offiziersmesse. Als er eintrat verstummten sämtliche Gespräche. Alle Augen richteten sich auf ihn – ein unangenehmes Gefühl. Xerxis nickte den Anwesenden zu und die Gespräche wurden wieder aufgenommen. Durch das Stimmengewirr konnte er kaum etwas verstehen. Also gesellte er sich zu einem der palavernden Grüppchen dazu und beschränkte sich vorerst darauf, die andern zu mustern und auch der Diskussion zu folgen. In der Gruppe waren sogar einige sympathisch aussehende Gesichter darunter. In einer kurzen Konversationspause sah Xerxis seine Chance und preschte vorwärts.

„Gestattet, dass ich mich vorstelle. Ich bin Xerxis, Leutnant der kaiserlichen Armee.“

In der Gruppe wanderten auf einmal alle Blicke zu ihm. Schließlich fasste sich einer ein Herz.

„Entschuldigt. Wir sind Besuch an Bord nicht gewöhnt. Ich bin der Quartiermeister und heiße Szehtaou. Aber nennt mich Tau, das tun alle. „Das hier,“, er zeigte dabei auf einen bulligen Mann mittleren Alters, der alles andere als schwach wirkte, „ist Akhenat beziehungsweise Akki. Er ist für die Verproviantierung zuständig. Wenn also das Essen nicht gut ist, hat er Schuld.“
„Er oder Uwe.“


Die Gruppe brach in Gelächter aus. Das Eis war gebrochen.

„Was der alte Uwe nicht verdirbt, das verdirbt keiner. Gestattet, Harachte deDaluka. Dritter Offizier seiner Majestät Schiff, der KSS Charles.“

Es grüße spöttisch.
Dieser war das genaue Gegenteil seines Gegenübers. Klein, dünn gebaut und eher von unscheinbaren Gesichtszügen. Ein Mensch, den man nach dem Sehen sofort wieder vergaß.
Tau übernahm wieder die Leitung des Gesprächs. Er sah Xerxis ziemlich ähnlich, hatte aber nicht graue, sondern leuchtend grüne Augen.

„Wird langsam Zeit, dass das Essen kommt. Ich könnte einen ganzen Gaul vertilgen.“

Bei diesen Worten flog die Tür auf und Uwe kam, so mürrisch wie immer, herein. In den Händen eine große, dampfende Schüssel.

Alles suchte sich einen Platz. Zu Xerxis Linken saß Tau, zu seiner Rechten hatte sich ein Offizier niedergelassen, den er noch nicht kannte. Uwe ging reihum und füllte ihre Schalen mit Suppe. Vorsichtig tauchte Xerxis seinen Löffel hinein, bereit ihn jederzeit wieder zurückzuziehen, falls er unter der trügerisch glatten Oberfläche der Gemüsesuppe (genauer wollte Xerxis den Inhalt der Selbigen nicht erforschen) in der Terrine eine verdächtige Bewegung bemerkte. Es war nichts zu sehen.
Ohne den Blick von der Schüssel zu nehmen, führte er den Löffel zum Mund und probierte. Er rechnete nicht gerade mit dem Geschmack von Nektar und Ambrosia, doch es schmeckte ganz ausgezeichnet. Xerxis war überrascht. Mit wesentlich mehr Begeisterung hob er den zweiten Löffel. Im nu war die Suppe alle. Auch der zweite Gang (Rinderfilet mit kartoffelartigem Gemüse) war vom Feinsten.

Während sie sich gerade am – ebenfalls exquisiten – Nachtisch delektierten (einer undefinierbaren, süßen Creme), fragte Xerxis seinen Tischnachbarn Tau: „Esst Ihr hier immer so feudal?“
„Nein eigentlich nicht. Vermutlich wollte der Käpt’n alles aufbieten, was die Kombüse hergibt, um euch Neulinge zu beeindrucken. Normalerweise isst man nicht so gut hier.“


Nun, gesättigt, wie er war, schien Xerxis die vormals kalte und unpersönliche Umgebung richtig gemütlich. Der mittelgroße Raum hatte nur drei Bullaugen, durch die die Abendsonne herein schien. Für die restliche Beleuchtung sorgten dickwandig verglaste Öllampen. An den Wänden hingen mehrer Bilder mit maritimen Motiven, darunter auch eines der KSS Charles unter vollen Segeln.

An der Stirnseite des Tisches erhob sich auf einmal der Kapitän von seinem Stuhl. Ruhe trat ein.

„Meine Herren. Wegen der unerwarteten Flaute heute Abend werden wir erst morgen früh auslaufen können. Mit dem Morgengrauen setzen wir die Segel. Seine Majestät, Kaiser Charles II., hat uns befohlen, so schnell wie möglich zu sein. Das heißt, wir werden auch nachts über durchfahren. Bootsmann, Ihr gebt die Befehle an die Mannschaft wieter.“
„Jawohl!“,
ließ sich ein irgendwo links von Xerxis sitzender Mann vernehmen.

„Da wir Passagiere an Bord haben,“, hob der Kapitän wieder an, „dass wir eventuelle Fragen erklären. Wie ausführlich bleibt Euch überlassen. Leutnant Xerxis, einieg eurer Männer könnten sich in der Kombüse nützlich machen.“
„Sie stehen euch zur Verfügung, Kapitän.“
„Vielen Dank.“


Damit war die Runde aufgelöst.

Langsam tröpfelten sie aus dem stickigen Raum. Xerxis entschied, nach einem Blick auf die Klepshydra, dass es noch zu früh zum Schlafen sei. Langsam tastete er sich durch die nur schwach beleuchteten Gänge. Das Holz arbeitete. Es knackte und quietschte. Unterwegs begegnete er niemandem. Das Schiff hatte sich zur Nachtruhe begeben. Endlich erreichte er den Niedergang. Durch die Luke oben sah man ein Stück schwarzen Nachthimmel, der mit silbernen Knöpfen bestickt schien.
Frische Seeluft schlug Xerxis entgegen. Er sog sie tief und gierig in seine Lungen, ließ die Kraft des Meeres in sich übergehen, in seinen Adern fließen. Ohne sich um die Nachtwache an Deck zu scheren, schlenderte Xerxis an der Reling entlang,sah in die kalte Nachtluft hinaus und ließ den Blick über das dunkle Wasser schweifen, das an einigen Stellen im fahlen Mondlicht wie flüssiges Silber glänzte. Auf einmal merkte er, wie sich jemand neben ihn stellte. Xerxis erkannte ihn nicht.

„Ich liebe das Meer und seine unendlich Weite. Wegen solcher Momente bin ich zur See gefahren. Jetzt ist es friedlich. Aber zur nächsten Sekunde kann die Stimmung umschlagen. Der Frieden ist dann weggewischt, Die See ist ein Ungeheuer, das meterhohe Wellen aufwirft, die es nur auf Euer Leben abgesehen haben. Betet zu Eurem Gott, dass uns dies auf der Überfahrt erspart bleiben möge.“

Der Unbekannte entfernte sich. Xerxis ahnte, wer es war: Käpt’n dePaneb. Unschlüssig blieb Xerxis noch eine Weile an Deck, aber der Zauber des unendlichen Augenblicks war gebrochen. Nach einiger Zeit ging er schließlich hinunter und fielin seine Koje. Der Rückmarsch von Tareps hatte ihn doch ziemlich mitgenommen.

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Verfasst am: 15.05.06 12:07
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Ein weitere Part von Kapitel 4:

Schon nach mehreren Sekunden Schlaf, so schien es ihm zumindest, keifte blechern die Trompete los und holte Xerxis so unsanft aus dem Reich der Träume. Fluchend kämpfte er sich aus dem Bett und schälte sich in eine frische Uniform. Ein letzter Blick in den Spiegel musste genügen. Auf dem Weg zur Offiziersmesse kamen ihm viele sich hektisch in ihre Kleidung zwängende Matrosen entgegen.

Die Offiziere waren schon fast alle da. Mit dem letzten Schwung rutschte Xerxis durch die Tür und setzte sich auf einen freien Platz. Einige der anderen waren schon am essen. Um nicht zu kurz zu kommen, schaufelte Xerxis sich seinen Teller voll. Mit vollen Backen kauend lauschte er dem Kapitän, der mal wieder tat, was er am besten konnte und am liebsten tat: Befehlen.

„...und sorg dafür, dass die Schotten anständig dichtgemacht werden. Letztes Mal...“, schallte es herüber.

Gerade, als er die Hälfte seines Tellers geleert hatte, scheuchte sie der Kapitän an Deck. Oben in den Wanten klammerten sich schon die Matrosen fest, die damit beschäftigt waren, die Segel zu setzen.
Der Kapitän ging sofort zu Achterkastell, auf dem das Ruder angebracht war und brüllte, wie sollte es auch anders sein, Befehle in die kalte Morgenluft.

Xerxis fröstelte. Um ihn herum war hektisches Treiben. Matrosen hetzten über das Deck, alle offenbar mit etwas Wichtigem beschäftigt. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als sich die schweren Segel lösten und im Wind knallten. Die Leinen waren los und langsam trieb das Schiff vom Kai weg, auf dem sich einige Frauen und Kinder eingefunden hatten – vermutlich von den Matrosen – die winkten und Abschiedsworte riefen.
Als die KSS Charles die Hafenausfahrt verlassen hatte, nahm sie langsam Fahrt auf. Königstolz lag südlich. Trotzdem stand die Sonne an steuerbord. Das bedeutete, dass sie nicht, wie eigentlich geplant, nach Königstolz, sondern nach Norden segelten.

Verwirrt und zornig machte sich Xerxis auf zum Kapitän, um ihn zur Rede zu stellen. Eine Unverschämtheit!

Ziemlich in Rage erreichte er dePaneb, der gerade auf Szehtaou einredete. Kurz entschlossen unterbrach er den Monolog, wofür er von Szehtaou einen dankbaren Blick erntete.

„Käpt’n!“
„Ja?“,
bellte der Kapitän, der bis eben mit dem Rücken zu Xerxis gestanden hatte und ihn daher auch nicht kommen gesehen hatte.

Weshalb fahren wir nach Norden? Ich dachte, unser Ziel sei Königstolz.“
„Kurz bevor wir ablegten erreichte uns eine Depesche von General Stoltus. Unser Ziel hat sich geändert. Wir fahren nach Szohkara. Das ist ein alegrianischer Stützpunkt auf Mennoffer.“
„Meine Geographiekenntnisse haben mich nicht im Stich gelassen. Weshalb hat sich das Ziel geändert?“
„Ich weiß es nicht und es geht Euch auch nichts an. Wir erhalten beide nur Befehle. Denkt nicht darüber nach sondern akzeptiert sie und führt sie aus. Wenn Ihr mich entschuldigen würdet, ich habe zu arbeiten.“


Damit ließ er Xerxis stehen und wandte sich wieder Szehtaou zu. Um nicht noch größeres Missfallen beim Kapitän zu erregen, zog Xerxis es vor, die Diskussion zu einem anderen Zeitpunkt fortzusetzen. Wo waren eigentlich seine Leute? Er hatte sie seit seinem Gespräch mit General Stoltus nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Ratlos stand Xerxis an der Reling.
„Hallo!“
Szehtaou stand hinter ihm.
„Ich habe den Alten etwas ausgequetscht. Angeblich fahren wir nach Szohkara, weil die 6. Armee dort hinverlegt wurde. Es gibt Gerüchte! Man munkelt, dass es zwischen Theben und Tibanien gärt.“
„Das sind wirklich Neuigkeiten. Sagt mal, als Quartiermeister müsstet Ihr doch eigentlich wissen, wo meine Männer untergebracht wurden.“
„Hier sind wir unter uns. Wir können die Förmlichkeiten weglassen. Ich heiße Tau.“


Er streckte die Hand aus. Xerxis schlug ein.
„Xerxis.“
„Nanu, ihr Landoffiziere seid ja doch nicht alle humorlose Maschinen und arrogante Ratten. Wer hätte das geahnt.“


Tau grinste.
„Merkwürdig... ich dachte immer, ihr seid diejenigen, die immer versuchen, ihr Schiff durch so ruhige Gewässer wie möglich zu steuern, damit es nicht auseinander fällt, und ihr wohlmöglich mal ein bisschen as tun müsst. Zum Beispiel an Land schwimmen.“, konterte Xerxis.
„Ausgleich! Wir sollten später weitermachen. Deine Leute sind in Bugnähe untergebracht. Der Teil ist...nun ja... ein wenig, wie soll ich sagen? unangenehm. Zumindest für Landratten wie euch.“
„Wenn es dir nichts ausmacht, kannst du mich dahin bringen?“

"Mir macht es nichts aus, aber leider bin ich im Moment an Deck unabkömmlich. Avedis wird dich hinbringen.“

Tau pfiff einmal und sofort stand Avedis vor ihnen.
„Bring ihn zu dem Bugraum, in dem seine Männer untergebracht sind!“
„Aye, aye!“


Auf dem Weg zum Schlafbereich seiner Männer ging Xerxis das ironische Streitgespräch noch einmal im Kopf durch. Tau wurde Xerxis immer sympathischer.

Kreuz und quer führte ihn Avedis durch das Schiff. Als sie endlich das Ziel erreicht hatten, glaubte Xerxis zunächst, dass sie sich im Raum geirrt hätten. Die gesamte Kompanie war in einem einzigen, auch noch recht kleinen, Raum untergebracht. Hängematten neben Hängematten. Dementsprechend sah es auch aus, ebenfalls der Geruchssinn wurde über alle Maßen strapaziert.

„Ohne mit jemandem ein Wort zu wechseln, drehte sich Xerxis um und stürmte wieder an Deck. Als er wieder an Deck war, was etwas länger gedauert hatte, wandte er sich wutentbrannt Tau zu, der die Matrosen beim Deckschrubben beaufsichtigte.

„Wer hat die Unterbringung meiner Männer veranlasst?“
„Der Käpt’n. Er wollte keine Reibereien zwischen deinen und unseren Leuten, was ja eigentlich auch ganz vernünftig ist.“
„Das ist unerhört. Das sind meine Männer und keine Tiere.“


Xerxis drehte sich auf dem Absatz um und hastete nach achtern. Der Kapitän kam ihm schon entgegen.

„Kapitän, ich muss Euch sofort unter vier Augen sprechen. Es geht um die Unterbringung meiner Kompanie.“
„Da gibt es nichts zu besprechen. Die Leute bleiben da, wo sie jetzt sind. Wenn ich Zugeständnisse mache, führt das nur zu Unstimmigkeiten mit den Amtrosen. Das will ich nicht riskieren.“
„Wie ihr wünscht. Dann werde ich wegen der bewussten gesundheitlichen Gefährdung alegrianischer Soldaten bei der Admiralität Beschwerde einlegen. Ihr könnt Euch aussuchen, was Euch mehr zusagt. Eventuelle Streitigkeiten zwischen Amtrosen und Soldaten, oder eine Anklage bei der Admiralität.“


Noch am selben Tag wurden Xerxis’ Leute auf drei Räume verteilt. Außerdem durften sie nun von zeit zu Zeit an Deck.

Wie erwartet gefiel es der Mannschaft der KSS Charles überhaupt nicht, dass Käpt’n dePaneb eingelenkt hatte. Doch dies war eher zu ertragen als seine Männer in der drückenden Enge des Schiffsbauches eingesperrt zu wissen, zumal die Reise fünf Tage dauern sollte. Dass auch Tau etwas abgekühlt war, war zwar bedauerlich, wirkte aber unglaubwürdig. Bisher hatte es ihm nichts ausgemacht, dass Xerxis im Heer diente, obwohl traditionell eine gewisse Feindschaft zwischen Heer und Flotte herrschte.
Aber egal, dachte Xerxis.

An Bord verging die Zeit wie im Fluge. Nichtstun war mal eine angenehme Abwechslung zur sonstigen Emsigkeit, die gefordert wurde.
Am Morgen des dritten Tages hatten sie schon einen Gutteil der Strecke hinter sich gebracht, wie Xerxis vom zusehends mürrischer werdenden Sesostris dePaneb erfahren hatte.

Bisher war die Reise relativ ruhig verlaufen. Daher war Xerxis unangenehm überrascht, als er nachts aus dem Bett fiel. Seine Schuld war es nicht gewesen [Anm. für die die mich persönlich kennen: Uwe wars ^^]. Das ganze Schiff rollte und schlingerte. Schnell zog Xerxis sich an, das heißt, so schnell, wie es bei diesem Seegang möglich war und lief aus seiner Kajüte in Richtung Deck. Unterwegs überholten ihn einige Matrosen, die wohl zu spät dran waren.

In dem schaukelnden Schiff die Treppe zum Deck hochzukommen stellte sich als schwierige Operation heraus. Zweimal rutschte Xerxis ab und landete unsanft auf seinen südlichen Regionen. Als krönender Abschluss kam ihm bei seinem dritten Versuch noch eine Ladung Gischt von oben entgegen, die seine schlechte Laune noch verstärkte.

Endlich oben angelangt bot sich ihm ein atemberaubender Anblick: Die vorher friedliche See hatte eine vollständige Metamorphose durchlaufen. Nun war sie nicht mehr ganz so friedlich...eher vielleicht mörderisch.
Das stahlgraue Wasser türmte sich zu mächtigen Wogen auf, die gegen das Schiff rollten und so in kurzen Abständen das Vorschiff überfluteten.
Die Matrosen waren damit beschäftigt die Segel zu reffen, um das Schiff für den Sturm zu rüsten, der am Horizont gewaltige schwarze Wellenfronten, aus denen ununterbrochen Blitze zuckten, auf die KSS Charles zu trieb. Prüfend sah Xerxis nach oben. Über ihm trieben vom wind zerrissene Wolkenfetzen.

Die Gischt der an der Bordwand zerschellenden Wellen trieb Gischt über das ganze Deck. Xerxis befeuchtete sich die Lippen. Es schmeckte salzig.
Auch der Kapitän blickte sorgevoll nach Osten, wo sich immer größere Wellenberge auftürmten. Die KSS Charles war neu und groß, sie würde so ein raues Lüftchen wohl überstehen – hoffentlich. Hektisch trieb er seine Leute zur Eile an, denn es war bald soweit.

Was machte eigentlich der junge Leutnant da vorne. Der hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt. „Richtet mehr Schaden, als Nutzen an.“, brummte er.

Dieser missbilligende Blick des Kapitäns... Sicherlich war es unter Deck sicherer während des Sturmes, aber Xerxis wollte oben bleiben, um das Naturschauspiel betrachten zu können.

Die Wellen wurden immer höher, und auch der Wind frischte noch mehr auf. Die ersten Böen fielen in das Sturmsegel ein. Wer von der Besatzung nicht mehr gebraucht wurde, verzog sich, um die Lenzpumpen zu besetzen.

Es wurde immer dunkler, bis schließlich schummeriges Dämmerlicht herrschte. Die Wogen ließen das Schiff tanzen. Nachdem es mühsam einen Wellenberg hinaufgeklettert war, verschwand es auf der anderen Seite wieder im Tal.

Xerxis sah, dass der Kapitän das Ruder mit aller Kraft umklammerte, um Schiff auf Kurs zu halten. Mit grimmig vorgestrecktem Kinn bot er dem Sturm Trotz und schleuderte ihm Flüche und Verwünschungen entgegen, die der Sturm durch noch lauteres Heulen zu übertreffen suchte.
Mit einem peitschenden Knall zerriss das Sturmsegel, die Fetzen knatterten im Wind. Der Kapitän hatte sich einen zweiten Mann ans Ruder zur Unterstützung geholt, um so gemeinsam der ungeheuren Kraft des Unwetters auf das Ruder entgegen zu wirken.

Die anderen Leute, die sich wie Xerxis in den Niedergang kauerten, entweder weil sie an Deck nicht gebraucht wurden, oder weil sie genauso fasziniert von dem Sturm waren, wie Xerxis, hatten sich mit dicken Tauen festgebunden, damit sie auf keinen Fall von einem der Brecher über Bord gespült werden konnten.

Plötzlich vereinigten sich zwei schwere Kreuzseen zu einer gigantischen Riesenwelle, die das Schiff mittschiffs erwischte. Das Deck verschwand unter einer Schicht brodelnder Gischt.

Xerxis hörte über das Tosen der Natur einen kurzen Schrei und sah einen Kopf in den Wellen verschwinden. Bei diesem Unwetter konnte man ihm nicht helfen, jeder versuchte zunächst, sich selbst zu helfen. Der eine Mann, der von der Welle über Bord gerissen wurde, war jedoch nicht der einzige, der von ihr betroffen war.

Als die Welle auf den Großmast traf, ertönte ein lautes, splitterndes Geräusch. Langsam, wie in Zeitlupe, kippte er zur Leeseite weg. Die Wanten und Taue an Luv rissen mit sirrendem Knall und peitschten über das Deck, als sich der Mast auf die Seite legte und über Bord zu rutschen begann. Ganz abrutschen konnte er jedoch nicht. Ein Teil der Takelage an Lee hielt ihn eisern fest.

Mit Schrecken beobachtete Xerxis, wie sich das Schiff unter dem Gewicht des Mastes, der halb über der Reling hing, auf die Seite legte. Die Wellen konnten das Schiff nun permanent überspülen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das Schiff von den Wellen leckgeschlagen würde, oder durch das Gewicht des Großmastes kentern würde.

Auch der Kapitän wusste das. Außerdem könnte sich auch die Ladung unter Deck losreißen und das Schiff von innen leckschlagen.
Sorgenvoll sah Kapitän dePaneb auf das überflutete Deck hinab. Er musste etwas unternehmen.

Ohne noch länger zu zögern, überließ er das Ruder dem Steuermann und einem herbeieilenden Matrosen. Zum Glück war seine schwere, beidseitig geschliffene Machete noch nicht fortgespült worden.
Die Wanten mussten auf der Stelle gekappt werden, wenn die KSS Charles diesen Sturm heil überstehen sollte.

Xerxis hatte die gleiche Idee. Da jedoch sein Degen für diese Aufgabe denkbar ungeeignet war, ließ er sich von einem der Matrosen eine schwere Axt bringen.

Als das Schiff wieder in einem Wellental verschwand, rannte Xerxis auf die Hängestelle des Großmastes zu. Auf dem schrägen und durch das Wasser rutschigen Deck musste er höllisch aufpassen, um nicht hinzufallen.

Nach der Hälfte des Weges beleuchtete ein jäh aufzuckender Blitz eine merkwürdige Szenerie. Eine gedrungene Gestalt drosch mit aller Kraft auf die Wanten ein.

Ohne sein Tempo zu drosseln, schlitterte Xerxis auf den gefällten Mast zu. Dort angekommen schaffte er es gerade noch, sich ein Tau um die Hüfte zu schlingen, bevor die nächste Welle eintraf und ihn über das in einen kochenden Hexenkessel verwandelte Deck schleuderte. Auf der anderen Seite knallte Xerxis gegen die Reling. Die auf ihn einstürzenden Wassermassen pressten ihm die Luft aus den Lungen. Ohne das Seil hätte seine Reise hier ihr vorzeitiges Ende gefunden.

Auf einmal war es vorbei. Xerxis konnte wieder atmen und kämpfte sich stöhnend wieder auf die Beine. Quer über das Deck torkelnd, erreichte er den Mast und begann nun auch auf die Taue einzuschlagen. Diese hatten den vereinten Bemühungen der Axt und der Machete wenig entgegenzusetzen.

Die Wellen waren zwar noch ein Problem, aber wenn Xerxis richtig stand und sich festhielt, wurde er wenigstens nicht mehr umgerissen. Nach ein paar Tauen wurde die Last des Mastes für die übrigen zu groß. Krachend rissen auch die Restlichen und mit einem Ruck rutschte der Mast in das tosende Meer.

Langsam richtete sich das Schiff wieder auf, bis es wieder einigermaßen gerade stand. Eine Gefahr war gebannt, doch sie waren noch keineswegs in Sicherheit.

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